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Kinder-Lebensmittel

Seit einigen Jahren sind Lebensmittel auf dem Markt zu finden, die durch besondere Werbemaßnahmen als "speziell für Kinder geeignet" offeriert werden und somit Kinder direkt ansprechen sollen. Sie werden als so genannte Kinderlebensmittel bezeichnet. Das Angebot dieser Produkte hat sich innerhalb der letzten Jahre enorm vergrößert.
In der Diskussion um die Ursachen des Übergewichts bei Kindern und Jugendlichen steht immer wieder die Frage, ob die Kinderlebensmittel eine gewisse Mitschuld tragen. Derzeit gibt es jedoch keine ausreichenden Daten zur Häufigkeit der verwendeten Produkte.

Aufgrund des steigenden Angebots und der geschickten Werbestrategien der Hersteller wird das Angebot im Lebensmitteleinzelhandel für den Verbraucher zunehmend unüberschaubar.

 

Was sind Kinderlebensmittel?

Derzeit gibt es keine lebensmittelrechtliche Definition für Kinderlebensmittel. Im allgemeinen werden unter diesen Produkten Lebensmittel verstanden, welche die Aufschrift "für Kinder", "für Kids" etc. tragen, eine für Kinder auffällige äußere Gestaltung besitzen, spezielle Formungen (Tier- oder Comicfiguren) haben, Beigaben enthalten (Stickers, Spielfiguren etc.) oder durch spezielle Werbemaßnahmen und Internetauftritte Kinder gezielt ansprechen.

 

Was für Kinderlebensmittel gibt es?

Die derzeit erhältlichen Kinderlebensmittel lassen sich in fünf verschiedene Produktgruppen einteilen: Süßwaren und Gebäck, Covenience-Produkte, d.h. Fertiggerichte, die keiner weiteren Ergänzung bedürfen, Getreideprodukte, Milchprodukte und Getränke.
Die Gruppe Süßwaren und Gebäck beinhaltet überwiegend Speiseeis, Schokoladenprodukte und Bonbons, gefolgt von süßem Gebäck in verschiedenen Ausführungen, sowie Knabbergebäck.
In der Gruppe der Convenience-Produkte sind meist so genannte Pausenmahlzeiten (Cracker, Wurst und Käse zum Teil in Kombination mit einem Fruchtsaftgetränk oder einer Süßigkeit), Wurstwaren oder Geflügelprodukte zu finden.
Getreideprodukte für Kinder werden zum überwiegenden Teil als Frühstückscerealien angeboten. In dieser Gruppe sind fast alle Produkte mit Nährstoffen angereichert, enthalten einen großen Anteil an Zuckerzusatz und bestehen nur sehr selten aus Vollkornmehlen.
In der Gruppe der Milcherzeugnisse findet man vor allem Fruchtjoghurt und Fruchtquark. Auch hier ist der überwiegende Teil der Produkte mit Zucker gesüßt.
Unter den Getränken sind hauptsächlich Fruchtsaftgetränke und Milchmischgetränke vertreten. Daneben gibt es noch verschiedene Getränkepulver, wie Instant-Kakao zum Einrühren in Milch. Bei den Milchmischgetränken und Getränkepulvern sind in der Regel Zuckerzusätze vorhanden und die meisten Getränke sind mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert.

 

Gibt es weitere Besonderheiten?

Auffällig ist bei den Kinderlebensmitteln, dass ein großer Teil der Produkte mit Nährstoffen angereichert ist. Laut einem Testergebnis der Stiftung Warentest enthalten viele der angereicherten Produkte größere Nährstoffmengen, als vom Hersteller auf der Verpackung angegeben werden. Somit würde ein regelmäßiger Verzehr dieser Produkte zu einer Überschreitung der empfohlenen Zufuhrmengen für Vitamine und Mineralien führen.

In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass Lebensmittel durch die Anreicherung ein anderes Image erhalten. Beispielsweise wird eine Schokolade, die mit Vitaminen angereichert ist schnell als ein sehr wertvolles Lebensmittel angesehen, obwohl es sich um ein Produkt handelt, welches nur in Maßen verzehrt werden sollte

Des Weiteren sind bei den Kinderlebensmitteln die Gehalte an Energie, Fett und Zucker zu betrachten. Der Zuckergehalt der Kinderlebensmittel ist bei einem überwiegenden Teil der Lebensmittel sehr hoch. Beispielsweise erreichen die Zuckergehalte pro Portion bei den Frühstückscerealien zum Teil bis zu 80% der geduldeten Menge pro Tag.
Auch die Fettgehalte der Kinderprodukte sind im Vergleich zu herkömmlichen Lebensmittel oftmals erhöht, wie z. B. bei dem Vergleich von Milchmischprodukten für Kinder mit herkömmlicher Milch.
Relativ neue Kinderprodukte, wie Kindermenüs, Kindersuppen oder auch Wurst für Kinder sind oft ganz normale Produkte, deren Zusammensetzungen mit herkömmlichen Produkten für den Erwachsenen vergleichbar sind, sich aber durch die spezielle Aufmachung deutlich von den herkömmlichen Produkten abheben. Jedoch kritisierte die Stiftung Warentest in einer durchgeführten Untersuchung von 40 Kinderlebensmitteln, dass spezielle Fertigmahlzeiten und Suppen für Kinder zu viel Salz, zu viel Soße und zu wenig Gemüse enthalten. Vom Nährstoffangebot stellen sie keinen Vorteil gegenüber normal zubereiteten Gerichten dar. Meist handelt es sich bei diesen Fertiggerichten zudem um stark verarbeitete Gerichte, welche nicht regelmäßig verzehrt werden sollten.

 

Werbestrategien

Auf der einen Seite werden die Kinder durch bunte Verpackungen, Fantasienamen und kleinen Beigaben, wie Stickern, Plastikfiguren oder Aufklebern umworben. Die Hersteller versuchen so die Entscheidung der Kinder zu beeinflussen, da Kinder stark an der Kaufentscheidung der Eltern beteiligt sind und als Entscheider das Einkaufsverhalten der Eltern prägen, lassen sich diese Maßnahmen als durchaus wirkungsvoll bezeichnen.

Auf der anderen Seite versucht der Hersteller die Eltern durch die positive Hervorhebung des Gesundheitswertes, von den Produkten zu überzeugen und sie in ihrer Kaufentscheidung zu bestärken. Diese Produktaussagen sind jedoch meist nicht vollständig, da sie nur die vermeintlich positiven Eigenschaften betonen. Die oftmals überwiegenden negativen Eigenschaften der Produkte werden nicht erläutert. So wird beispielsweise ein Schokoriegel damit beworben, dass er alle Nährstoffe des vollen Korns und wertvolle Milch enthält. Diese Zutaten müssen, wenn sie auf der Verpackung genannt werden, auch in dem Riegel vorhanden sein. Es ist auch richtig, dass es sich bei Vollkorn und Milch um wertvolle Lebensmittel handelt, aber der Mengenanteil ist nicht vorgeschrieben. Der Getreideanteil in einem Schokoriegel ist z.B. im Vergleich zu einer Scheibe Vollkornbrot äußerst gering. Auch die Milch, die in dem Riegel als Zutat enthalten ist, kann nicht das Glas Milch ersetzen.

 

Bewertung

Insgesamt betrachtet besteht keine ernährungsphysiologische Notwendigkeit für solche Kinderlebensmittel. Viele Produkte haben eine geringe Nährstoffdichte, d.h. sie enthalten im Bezug zur Energie nur wenig wertvolle Nährstoffe. Die Produkte, die für Kinder angeboten werden, bieten meist bezogen auf die Nährstoffe und Zutaten keine Vorteile gegenüber herkömmlichen Produkten, sind in der Regel aber teurer. Meist enthalten sie viel Zucker, Fett oder Salz und wenig Ballaststoffe und Früchte. Somit können sie auch Ernährungsprobleme, wie Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterstützen. Daher sind sie in der Kinderernährung eher als Lebensmittel zu bewerten, welche nur gelegentlich verzehrt werden sollten.
Weiterhin sind Kinderlebensmittel häufig stark verarbeitet, entsprechen somit nicht den Anforderungen einer ausgewogenen Ernährung und haben oftmals mit dem eigentlichen Lebensmittel, wie Getreide oder Quark nur noch wenig gemeinsam.
Reichlich Obst und Gemüse, welches bei jeder Ernährung eine große Rolle spielen sollte, kommt in den Kinderprodukten, wenn überhaupt, nur in sehr geringen Mengen vor und meist in Kombination mit viel Fett.
Aromen und Farbstoffe werden in diesen speziellen Produkten in der Regel zahlreich eingesetzt. Man vermutet, dass beim regelmäßigen Verzehr dieser Aromastoffe bei Kindern eine Gewöhnung an diese stattfindet, wodurch die Kinder schwächer schmeckende natürliche Aromen dann weniger gut wahrnehmen können.
Nicht zuletzt sind Kinderlebensmittel in der Regel aufwendig verpackt und tragen daher nicht unerheblich zur Müllproblematik bei.

 
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